Von : Max Jäger

Aktualisiert am :

Vision Pro nach einem Jahr: Lohnt sich die Investition wirklich?

Startseite » Unterhaltung » Vision Pro nach einem Jahr: Lohnt sich die Investition wirklich?

Im vergangenen Frühling reiste ich nach New York City, um mir das allererste Apple-Headset anzuschaffen. Hier sind meine Eindrücke nach einem Jahr Nutzung.

Die Anschaffung des Vision Pro war ein echtes Highlight für mich. Ich kam fast zu spät im Geschäft unter dem World Trade Center an und hätte fast keine der berühmten Apple-Einführungen mehr erlebt. Glücklicherweise war der Mitarbeiter sehr zuvorkommend und unterstützte mich. Ich konnte so die beeindruckenden 4K-OLED-Displays und 3D-Aufnahmen erleben, einschließlich eines Dinosauriers, der auf mich zukam, und einer Benutzeroberfläche, die dank Augen- und Fingertracking bereits in der ersten Version von visionOS nahezu fehlerfrei funktionierte.


Würde ich die Vision Pro, die jetzt ein Jahr auf dem Markt ist, erneut kaufen? Bei diesem Preis, den Apple trotz angeblicher Einstellung der Produktion des aktuellen Modells immer noch hoch hält (in Deutschland ab 4000 Euro), würde ich eher nein sagen. Als Technikjournalist bin ich zwar in einer besonderen Situation, da ich das Gerät beruflich regelmäßig nutzen muss, z.B. wenn ein neues visionOS-Update spannende Funktionen einführt. Für den durchschnittlichen Verbraucher ist es jedoch viel zu teuer und wirklich ein Luxusartikel. Dazu kommen die üblichen Kinderkrankheiten einer ersten Generation eines Apple-Produkts, die normalerweise nicht ein ganzes Bruttomonatsgehalt kosten. Ich warte gespannt auf eine erschwinglichere zweite Generation. Wann diese jedoch erscheint, weiß nur Apple.

Die Vision Pro macht Spaß, sobald man sie aufgesetzt hat. Die Bedienung funktioniert gut, visionOS ist überwiegend stabil (für ein völlig neues Betriebssystem), die Unterhaltungsangebote sind großartig (obwohl 3D-Filme fast zu niedrig aufgelöst sind) und das Angebot an Apps ist solide (auch wenn es langsamer wächst als erwartet, dafür funktionieren iPad-Apps). Das Problem ist jedoch der Formfaktor. Das Gewicht des Gerätes von 600 bis 650 Gramm lastet auf dem Gesicht und führt zu „Vision Face“ und „visionOS-Nacken“. Der 353 Gramm schwere Akku ist aufgrund seines Kabels ständig im Weg. Es gelingt mir immer noch nicht, die Batterie blind über den Bajonettverschluss mit dem Headset zu verbinden. Die 3D-Druck-Lösung, den Akku am Hinterkopf zu befestigen, ist zwar originell, verursacht aber auf Dauer eher Schmerzen als dass sie hilft.

Siehe auch  Spotify-Algorithmus überwinden: Neue Musik entdecken leicht gemacht!

Die Nutzung der Vision Pro wird somit zu einer ernsthaften Angelegenheit. Man greift nicht einfach nach dem Headset, wie man es bei einem Notebook oder Smartphone tun würde. Man muss sich bewusst Zeit dafür nehmen, was heutzutage oft schwerfällt. Deshalb verbringt die Vision Pro nach dem Kauf zunehmend mehr Zeit im Schrank oder auf dem Regal. Das ist einfach zu teuer. Zwar ist die Technik konkurrenzlos – zum Beispiel hat eine Quest 3 eine völlig andere Bildqualität –, doch die Konkurrenz holt auf. Samsungs „Project Moohan“ mit Android XR mag eine Vision-Pro-Kopie sein, macht aber vieles richtig. Apple kann sich also nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Die sehr eigenartige EyeSight-Funktion, die die Augen des Benutzers nach außen lenkt, ist eher gruselig und könnte wegfallen. Auch das Personas-Feature für Videochats mit Avataren nutze ich ungern.

Weitere Ärgernisse treten bei längerer Nutzung zutage. Die Gläser der Vision Pro verschmutzen leicht und sind nicht einfach zu reinigen (trotz mitgeliefertem Putztuch). Es gibt immer noch verschiedene Apple-Apps, die nicht für visionOS optimiert wurden – zum Beispiel die Karten-App, was wirklich niemand versteht. Die Akkulaufzeit der Vision Pro ist zu kurz, sodass man sich oft doppelt verkabelt (Akku an Vision Pro und am Netzteil). Die richtigen Optical Inserts zu finden (was jetzt glücklicherweise direkt in Deutschland möglich ist), ist nicht einfach. Bei mir selbst habe ich offenbar eine zu starke Stärke gewählt. Mittlerweile bekomme ich verständlicherweise am Tag nach der Nutzung der Vision Pro regelmäßig Kopfschmerzen und werde nun einen neuen Versuch mit schwächeren Gläsern starten. Bei einer Quest 3 kann man einfach seine Brille aufbehalten, was die viel einfachere Lösung ist, die Apple aber offensichtlich nicht schick genug fand.

Siehe auch  Neue Apple App revolutioniert das Verwalten und Importieren von Immersiven Videos!

Die Frage bleibt, wie es mit der Vision Pro weitergeht. Wie erwähnt, scheint Apple an einer kostengünstigeren zweiten Version zu arbeiten, vielleicht als Vision ohne „Pro“ mit etwas schlechteren Displays. Gleichzeitig wäre auch eine aktualisierte „normale“ Vision Pro 2 sinnvoll: Die aktuelle Version unterstützt trotz M2-Chip noch nicht einmal Apple Intelligence, was für Apple wirklich peinlich ist. Die ideale Lösung wäre jedoch ein komplett anderer Formfaktor: Vision Glasses, also eine echte Brille mit dieser Technologie. Doch hier stockt die Entwicklung: Die Technologie ist noch zu teuer und benötigt zu viel Platz. Apple soll kürzlich zwei Projekte – eines für eine Brille, die mit dem iPhone gekoppelt wird, eines mit einer Mac-Kopplung – eingestellt haben, um weiter an einer echten Stand-alone-Brille zu arbeiten. Doch diese könnte noch Jahre in Anspruch nehmen. Immerhin hat Apple mit der Vision Pro eine Basis geschaffen und dank seiner Größe auch genügend Kapital, um die Durststrecke zu überstehen.

Ähnliche Artikel

Bewerten Sie den Artikel
Teilen Sie diesen Artikel :

Schreibe einen Kommentar