Von : Max Jäger

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Streaming-Studie enthüllt: Große Künstler profitieren mehr von Vergütungsmodellen!

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Eine Studie zeigt mangelnde Transparenz im Musikstreamingmarkt auf. Diese wurde von der Bundesregierung in Auftrag gegeben.

Musikstreaming hat nicht das versprochene goldene Zeitalter für unabhängige Künstler eingeläutet. Stattdessen haben die neuen Plattformen die Rolle der traditionellen Gatekeeper im Musikgeschäft übernommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Kulturstaatsministerin Claudia Roth initiierte Studie, die feststellt: „Der Markt für Musikaufnahmen ist auch im Streamingzeitalter von Informationsungleichgewichten und strukturellen Ungerechtigkeiten geprägt“.


Über 350 Seiten hinweg untersuchen Forscher, was die aktuellen Strukturen im Musikstreamingmarkt für Kulturschaffende bedeuten und welche Mängel vorhanden sind. Laut der Studie wird es begrüßt, dass die Probleme der Musikpiraterie durch Streamingdienste zurückgegangen sind. Dennoch sind nicht alle Schwierigkeiten beseitigt, einige bestehende Probleme haben sich im Streamingzeitalter sogar verschärft. Die Studienautoren bemühen sich, Antworten auf zumindest einige dieser offenen Fragen zu finden.

Zwei zentrale Fragen der Studie sind: Ob die Vergütung von Streams für die Künstler gerecht ist und ob Streaming es Urhebern erleichtert, von ihren Werken zu leben. Theoretisch können Künstler nun ohne große Plattenlabels Millionen potenzieller Hörer erreichen.

Insgesamt 2.868 Personen aus der Musikbranche haben den Studienautoren über ihre Einkommenssituation Auskunft gegeben. Nur 13,9 Prozent ihrer Einnahmen stammen demnach aus Streaming, im Vergleich zu 34 Prozent aus Live-Auftritten. Fast drei Viertel der Künstler erwirtschaften jährlich weniger als 500 Euro durch Streamingabrufe, 17,8 Prozent verdienen zwischen 500 und 4.999 Euro. Neun Prozent liegen zwischen 5.000 und 100.000 Euro, nur 1,1 Prozent darüber.

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Über die Hälfte der Streamingeinnahmen entfällt auf Spotify, gefolgt von Apple, Youtube und Amazon Music, die zusammen 32,4 Prozent ausmachen. Der Rest verteilt sich auf Tantiemen von anderen Anbietern wie Bandcamp, Deezer, Tidal und Soundcloud. Werbefinanzierte Streams spielen kaum eine Rolle und machen einen vernachlässigbaren Anteil des Gesamtumsatzes aus.

„Wenn 75 Prozent der Umsätze auf nur 0,1 Prozent der Künstler entfallen, ist das sehr aussagekräftig“, erklärt Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne), ehemalige Musikmanagerin. „Es ist eine faire Vergütung der Musikschaffenden nötig, mehr Transparenz und eine Demokratisierung der Marktmacht ist erforderlich.“

Ein zentraler Aspekt gerechter Vergütung ist das sogenannte „Pro-Rata“-Modell. Hierbei werden die Ausschüttungen einer Plattform an die Rechteverwerter basierend auf deren Anteil an der Gesamtzahl aller Streams in einem bestimmten Land und Zeitraum berechnet. Das Pro-Rata-Modell begünstigt laut den Forschern bereits etablierte Künstler. Marketingkampagnen beeinflussen die Hörgewohnheiten, was Künstlern mit großen Labels zum Vorteil gereicht.

Die Mehrheit der Befragten bevorzugt ein nutzerzentriertes Modell: Hierbei werden die monatlichen Abonnementgebühren eines Nutzers durch die Anzahl seiner Streams geteilt, und die Gelder direkt an die Rechteinhaber der jeweils abgespielten Musikstücke verteilt. Dies erhöht den Wert einzelner Abrufe, wenn ein Nutzer weniger streamt. Dennoch haben Künstler keinen Einblick in die tatsächlichen Abspielzahlen der Anbieter – ein gravierender Mangel, laut den Befragten.

Was gehört wird, hängt immer weniger von den persönlichen Entscheidungen der Nutzer ab, sondern wird zunehmend von Algorithmen bestimmt, betont Tobias Holzmüller, Geschäftsführer der GEMA, im Gespräch mit heise online. Dies sei bei Diensten wie Spotify der Fall und noch extremer bei Musik auf Social-Media-Plattformen wie TikTok. „Daher ist die Transparenz dieser Algorithmen und ihrer Auswahlprozesse entscheidend für die Frage, was am Markt erfolgreich ist und was nicht. Diese Transparenz fehlt jedoch vollständig.“

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Holzmüller sieht hier ein ernstes Problem. „Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass die Dienste diese Algorithmen nutzen, um ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen zu fördern – etwa durch bevorzugtes Abspielen von Musik, für die sie weniger zahlen müssen oder an der sie selbst Rechte halten.“ Der GEMA-Geschäftsführer fordert daher die Offenlegung der entsprechenden Algorithmen der Plattformen – notfalls auch durch gesetzliche Regelungen.

Weiterhin fordert ein Anhang zur Studie mehr Transparenz: In einem Gutachten des Rechtswissenschaftlers Professor Philipp Hacker wird untersucht, wie sich Musikschaffende und Streamingdienste rechtlich zueinander verhalten und welche rechtlichen Ansprüche Künstler möglicherweise geltend machen könnten. Hacker kommt zu dem Schluss, dass die deutsche Umsetzung des EU-Urheberrechts unvollständig ist und empfiehlt Änderungen am Urheberrechtsgesetz, um eine „angemessene Vergütung“ gegenüber den Plattformen durchsetzbar zu machen.

Zur Verbesserung der Transparenz im Streaming empfiehlt Hacker die Einrichtung einer zentralen Streaming-Transparenzstelle. Diese sollte neutral agieren und Daten sowohl von Anbietern als auch von Rechteinhabern sammeln, um in Streitfällen eine unabhängige Grundlage bieten zu können.

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