Von : Max Jäger

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BMW 220 Gran Coupé: Fahrbericht des exotischen Dreizylinders!

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Bislang hat das 2er Gran Coupé in Deutschland keinen durchschlagenden Erfolg erzielt. Auch die aktuelle Modellpflege dürfte daran kaum etwas ändern. Ein erster Eindruck vom 220.


Wenn Sie Interesse am 2er Gran Coupé haben, gehören Sie eher zu einer kleineren Gruppe. In Deutschland konnte die Limousine, die dieselbe technische Plattform wie der 1er nutzt, bisher keine großen Erfolge feiern. Es ist auch zweifelhaft, ob die Modellpflege, die BMW als komplett neues Fahrzeug bewirbt, daran etwas ändern kann. Die Änderungen sind nicht sehr tiefgreifend. Wir haben das 220 Gran Coupé getestet, eine durchaus kluge Wahl innerhalb der Modellreihe.


Das 2er Gran Coupé gehört zu den mittlerweile eher seltenen Möglichkeiten, einen neuen BMW für unter 40.000 Euro zu erwerben. Zumindest theoretisch, denn praktisch müsste man dafür sehr nahe an der Basisausstattung bleiben, was nur wenige BMW-Käufer tun – auch beim 2er Gran Coupé. Wie beim 1er ist der Frontantrieb Standard, und die beiden leistungsstärksten Benziner gibt es nur mit Allradantrieb. Die letzten beiden Varianten mit manuellem Getriebe wurden im Oktober 2024 ausgemustert. Jetzt haben alle Modelle ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Das aktuelle Motorenangebot umfasst zwei Diesel und vier Benziner mit einer Leistungsspanne von 90 bis 221 kW. Die Modelle 216 und 220 nutzen denselben 1,5-Liter-Dreizylinder, und trotz eines Aufpreises von 5000 Euro würden wir die stärkere Version bevorzugen. Sie bietet mit 35 kW mehr Leistung und ist im Zyklus sogar noch etwas sparsamer. Nur sie ist mit einem 48-Volt-Startergenerator ausgestattet, der den Verbrenner unterstützt. BMW gibt für den Dreizylinder 115 kW und 240 Nm an, der Elektromotor steuert bis zu 15 kW und 55 Nm bei. Die Systemleistung liegt mit 125 kW und 280 Nm zwischen 1500 und 4400/min etwas unter der Summe beider Antriebe.

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Diese Mildhybrid-Technologie hilft den Verbrauch zu senken. Der 216 mit 90 kW hat laut WLTP einen Verbrauch von 5,9 bis 6,3 Litern, beim 220 sind es 5,2 bis 5,7. Das ist kein riesiger Unterschied, aber mehr als 0,5 Liter Differenz bei gleicher Motorenbasis sind beachtlich. Die Batterie hat einen Energiegehalt von 0,9 kWh, was für eine geringfügige Lastpunktverschiebung ausreicht. Ziel ist es, den Verbrennungsmotor öfter unter idealen Bedingungen zu betreiben.

Bei unserer Testfahrt zeigte sich der Dreizylinder kraftvoll. Im Vergleich zum Basismodell ist er im Standardsprint mit 7,9 Sekunden um zwei Sekunden schneller, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Sicherlich, die beiden Topmodelle sind noch deutlich schneller, doch der Mehrpreis muss dann auch gerechtfertigt sein. Ein M235 startet preislich bei knapp 60.000 Euro, was schon in die Nähe eines Basismodells des BMW i4 mit ähnlicher Leistung kommt.

Unter Belastung klingt der Dreizylinder des 220 etwas angestrengt, was jedoch nicht seine tatsächliche Schnelligkeit widerspiegelt. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet die Gänge stets passend und unauffällig. Es ist so abgestimmt, dass es den Motor gut unterstützt. Abgesehen vom Klang unter Last, bietet das Antriebssystem eine harmonische Leistung. Es liefert deutlich mehr Kraft als das Basismodell, genug um auf die stärkeren Varianten verzichten zu können.

Das Fahrzeug, das für diese erste Fahrt zur Verfügung stand, war mit einem M Sportpaket einschließlich entsprechendem Fahrwerk ausgestattet. Wie erwartet bietet es ein erhöhtes Maß an Rückmeldung, wobei BMW die Spitzen geschickt abmildert. Die Lenkung ist präzise, auch wenn sie nicht mehr das bietet, was die Marke früher auszeichnete. Wenn die Vorderräder sowohl die Richtungsänderungen als auch die Antriebskräfte verwalten müssen, bleibt dem Hersteller nichts anderes übrig, als hier Abstriche zu machen. Trotzdem gehört es zu den angenehmeren Fronttrieblern.

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Die Modellpflege brachte auch einen Generationswechsel beim Infotainment mit sich. Im 2er Gran Coupé läuft jetzt das OS9. Es unterscheidet sich vom direkten Vorgänger darin, dass es auf einem Android-Kern basiert, was eine größere Auswahl im Appstore ermöglicht. Das System arbeitet sehr schnell, ist gut ausgestattet und erstaunlich intuitiv zu bedienen. Statt zwei getrennten Displays befinden sich nun beide unter einer gemeinsamen Glasscheibe.

Der Innenraum ist weitgehend unverändert. Die Verarbeitung ist sehr sorgfältig, die Materialauswahl zeigt keine groben Fehler. Die Sportsitze sind eine Empfehlung wert, da sie deutlich bequemer sind als die Standard-Sitze in der günstigsten Ausstattungslinie. Das Platzangebot vorne ist ausreichend, aber hinten wird es selbst für durchschnittlich große Erwachsene ziemlich eng um den Kopf. Der Kofferraum des Mildhybrids bietet mit 360 Litern 70 weniger als der 216 ohne E-Booster. Generell bietet das Gran Coupé auf einer Länge von 4,55 m eher wenig Raum. Wenn Platz ein entscheidender Faktor ist, gibt es zahlreiche Alternativen, selbst bei BMW. Modelle wie der X1 oder der 2er Active Tourer haben ähnliche Abmessungen, bieten aber mehr Raum.

Das 2er Gran Coupé ist derzeit ab 36.400 Euro erhältlich, der 220 kostet 41.400 Euro. Wie üblich ist das nur der Startpreis. Ein wenig aufgewertet, erreicht man schnell einige tausend Euro mehr. Mit der Ausstattung, die die meisten Kunden wählen werden, nähert sich der Preis für einen 220 schnell der 50.000 Euro Marke und es ist nicht schwer, diese zu überschreiten. Angesichts des üblichen Preisgefüges bei BMW ist das kaum der Grund für die geringe Nachfrage. Ich vermute, dass europäische Kunden das etwas hochbeinige Design nicht anspricht. Gerade in diesem Punkt hat sich so wenig verändert, dass Fahrer des 2er Gran Coupé sich ziemlich sicher sein können, weiterhin etwas Besonderes zu fahren.

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