Von : Max Jäger

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Exklusiv: Hinter den Kulissen eines ADAC-Pannenhelfers – Ein Tag im Einsatz!

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In Deutschland gibt es viele professionelle Pannenhelfer, doch der ADAC betreibt die größte Flotte. Wir haben einen Tag lang einen ADAC-Straßenwachtfahrer begleitet.

Morgens ins Auto steigen, den Schlüssel umdrehen und nichts passiert – ein Albtraum. Sofort zerschlagen sich alle Pläne für den Tag und der Stresspegel steigt rapide. Der erste Termin ist verpasst und die Frage, wie man später die Kinder aus dem Kindergarten abholen soll, steht im Raum. In solchen Momenten ist es ein Segen, Mitglied in einem Automobilclub zu sein und Hilfe rufen zu können. Auch wenn das Problem damit noch nicht gelöst ist, beruhigt es doch sehr, zu wissen, dass Unterstützung unterwegs ist. Aber wie funktioniert eigentlich die Pannenhilfe und was passiert im Hintergrund, damit rasch Hilfe erscheint? Um das herauszufinden, haben wir den ADAC Straßenwachtfahrer Konstantin Schneider einen Tag lang begleitet.

Unser Treffpunkt ist die ADAC-Pannenhilfezentrale in Groß-Gerau, gelegen zwischen Darmstadt und Rüsselsheim, südlich von Frankfurt. Deutschlandweit existieren fünf solcher Zentralen zur Koordination der Pannenhilfe. Von hier aus werden die Einsätze der ADAC-Straßenwacht und der Mobilitätspartner in den Bundesländern Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Saarland und dem badischen Teil von Baden-Württemberg gesteuert. In Groß-Gerau allein arbeiten 42 Disponenten, um die Anfragenflut zu bewältigen und die Straßenwachtfahrer zu dirigieren.

Auf dem Hof stehen mehrere der typischen gelben ADAC-Fahrzeuge, darunter VW Tiguan und Ford S-Max. Konstantin fährt kurz vor halb sieben mit seinem Dienstwagen ein. „Normalerweise parken wir unser Fahrzeug in einer vom ADAC gemieteten Garage in der Nähe unseres Wohnorts“, erklärt der 35-jährige Kfz-Meister. Aus Sicherheitsgründen erhält auch der begleitende Kameramann eine Sicherheitsausrüstung. Kurz darauf teilt der Disponent den ersten Einsatz zu: „Fahrzeug startet nach Stopp an der Tankstelle nicht mehr, Verdacht auf Batteriedefekt.“

Ein Problem, das uns im Laufe des Tages noch öfter begegnen wird. Statistiken zufolge ist dies der häufigste Grund für Einsätze. Nach mehr als vier Jahren beim ADAC weiß Konstantin jedoch, dass die Ferndiagnose „leere Batterie“ oft nur ein Symptom und nicht die Ursache ist. So auch bei einem fast 40 Jahre alten Jeep Cherokee, bei dem ein korrodiertes Kabel zum Anlasser die Ursache ist. Nachdem der Oldtimer wieder läuft, wird schnell der Pannenbericht ausgedruckt und es geht weiter zum nächsten Einsatz.

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Dieses Mal ist das betroffene Fahrzeug ein jüngerer und deutlich kleinerer Fiat Cinquecento, der in Groß-Umstadt im Odenwald über Nacht stehen geblieben ist und nicht mehr anspringt. „Ein typisches Problem für die Herbstzeit“, erklärt Konstantin. „Batterien, die gerade noch den Sommer überstanden haben, machen bei den plötzlich sinkenden Temperaturen schlapp.“ In solchen Fällen haben die ADAC-Fahrzeuge oft passenden Ersatz dabei. Neben verschiedenen Leuchtmitteln und Batterien für Schlüssel und Fernbedienungen zählen auch Starterbatterien zur Grundausstattung der Fahrzeuge.

Die Batterien können direkt vor Ort erworben und eingebaut werden. Das Fahrzeug des Straßenwachtfahrers ist mit Werkzeug, Mess- und Diagnosegeräten sowie zusätzlicher Elektronikausrüstung beladen und bringt so über 600 Kilogramm auf die Waage. Um die Sicherheit der Straßenwachtfahrer zu gewährleisten, unterzieht der ADAC seine Fahrzeuge speziellen Crash-Tests. Für den kleinen Neunzigerjahre-Wagen ist jedoch kein passender Akku dabei, also gibt Konstantin Starthilfe und begleitet das Fahrzeug sicherheitshalber bis zur nächsten Werkstatt.

Nicht jede Pannensituation ist so harmlos, daher evaluieren sogenannte Calltaker die eingehenden Meldungen, bevor ein Straßenwachtfahrer zugeteilt wird. Sie klären unter anderem die Art der Panne und den Standort des Fahrzeugs. Anhand dieser Informationen wählt dann der zuständige regionale Disponent den passenden Pannenhelfer aus. Die Auftragsvergabe erfolgt optimiert nach Weg und Zeit, um möglichst schnell Hilfe leisten zu können. Besondere Notfallsituationen, wie eingeschlossene Kinder oder Tiere sowie Pannen auf Autobahnen oder Bundesstraßen, erhalten aufgrund des höheren Gefahrenpotentials Priorität.

Unser dritter Einsatz ist kein akuter Notfall, aber dennoch besonders, da das liegengebliebene Fahrzeug ein erst wenige tausend Kilometer alter Hyundai ist und die Anfrage von einer Person stammt, die kein ADAC-Mitglied ist. „Wir sind da, um zu helfen“, erklärt Konstantin die Philosophie des ADAC. „Natürlich fahren wir auch Einsätze für Nicht-Mitglieder an. Wenn wir schnell und einfach helfen können, entstehen keine Kosten. Wir freuen uns allerdings, wenn sich die Person anschließend für eine Mitgliedschaft entscheidet.“

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Manchmal werden die Geduld und Hilfsbereitschaft eines Pannenhelfers besonders gefordert. Neben der klassischen Unterstützung für Autos, Motorräder, Wohnmobile und ähnliches gehört mittlerweile auch die Hilfe bei Problemen mit Fahrrädern oder E-Bikes zum Serviceangebot für ADAC-Mitglieder. Konstantin erinnert sich an einen Vorfall, der ihm besonders unverschämt erschien: „Ich wurde zu einer Fahrradpanne gerufen und als ich ankam, warteten dort acht Studenten, die eine Radtour starten wollten. Ich sollte alle ihre Fahrräder überprüfen und fahrtüchtig machen. Das ist allerdings nicht der Zweck unserer Pannenhilfe.“

Mit rund 1700 Straßenwachtfahrern und 675 Mobilitätspartnern ist der ADAC gut aufgestellt, um verschiedenste Herausforderungen zu meistern. Bei über 22 Millionen Mitgliedern und mehr als 10.000 Meldungen pro Tag sollte die Mitgliedschaft jedoch nicht missbraucht werden. Wie Konstantin erklärt, gibt es grundsätzlich keine Einschränkungen: „Die Mitgliedschaft ist personengebunden, es spielt also keine Rolle, mit welchem Fahrzeug ein Mitglied eine Panne hat. Auch mehrere Einsätze pro Jahr sind durch die Mitgliedschaft abgedeckt.“

Es spielt keine Rolle, wohin man den ADAC im Pannenfall ruft; viele Einsätze fallen buchstäblich in die Kategorie „Hausbesuch“. Neben entladenen Batterien und technischen Defekten führen hier auch oft misslungene Reparaturversuche zu einem Einsatz. Eine wiederholt aufleuchtende Warnlampe im Cockpit eines Opel Adam veranlasste den Besitzer zu einer Fehlersuche, die jedoch eine Fehlermeldung des Steuergeräts auslöste und den Wagen lahmlegte. Konstantin findet mit seinem Diagnosegerät nicht nur den Fehler, sondern kann ihn auch zurücksetzen. Sein Rat ist jedoch klar: „Die wiederkehrende Warnleuchte deutet auf ein tieferliegendes Problem hin, das in einer Werkstatt untersucht werden sollte.“

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Auch der letzte Fall des Tages findet in einer privaten Garage statt. Ein weiteres Mal lässt sich das Fahrzeug nach längerer Standzeit nicht starten. Nachdem der „Verdachtsfall Batterie“ ausgeschlossen wurde, stellt sich schnell heraus, dass der Anlasser eines 20 Jahre alten Mazda MX-5 defekt ist. Kurz vor Feierabend wird es noch einmal anstrengend, da der beschädigte Mazda klassisch per Muskelkraft angeschoben werden muss. Als Dankeschön gibt es eine Mitgliedschaft, denn auch in diesem Fall wurde der Pannenhelfer gerufen, obwohl der Besitzer kein Clubmitglied war.

Zurück am ADAC-Stützpunkt reflektiert Konstantin nach acht Stunden Arbeit über das, was ihm an seinem Job gefällt. Seine Antwort ist einfach und zugleich beneidenswert: „Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen. Jeder Tag ist anders und ich weiß nie, was mich erwartet. Der ständige Austausch mit Menschen, die stets neuen Herausforderungen und die Möglichkeit, bei jedem Auftrag Gutes zu tun, machen meine Arbeit überaus erfüllend.“

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